Lale Akgün
Der getürkte Reichstag
Tante Semras
Sippe ist nun im Herzen Deutschlands angekommen: Nichte Lale Akgün wird in den
deutschen Bundestag gewählt. Und die ganze Familie nimmt regen Anteil an ihrem
neuen Leben. Im Reichstag ist die gebürtige Türkin natürlich erst einmal eine
Exotin. Und die Fraktionskollegen wundern sich: dass ihr Mann sie so ganz
alleine und ohne Kopftuch in die Hauptstadt gehen lässt! Doch die Genossen
erkennen schnell, was »gelungene Integration« bedeutet, und so reist Lale mit
langen Wunschlisten in den Türkeiurlaub, um ihnen preisgünstiges Viagra zu
besorgen. Blaue Pillen für rote Genossen - schon die Vorstellung ist für Tante
Semra so köstlich, wie ihre geliebten Leberkäsebrötchen. Heitere, komische und
liebevolle Einblicke unter die Kuppel des Reichstags, in die Hinterzimmer
deutscher Kneipen und türkische Wohnstuben.
Lale Akgün,
geboren 1953 in Istanbul, kam mit neun Jahren nach Deutschland. Sie studierte
Medizin und Psychologie arbeitete lange in Jugendhilfe und Familienberatung,
leitete dann das Landeszentrum für Zuwanderung. Von 2002 bis 2009 war sie
Bundestagsabgeordnete und migrationspolitische Sprecherin sowie
Islambeauftragte der SPD. Seit Mai 2010 leitet sie das Referat internationale
Zusammenarbeit im Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration
des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Mutter einer Tochter hat seit 1980 die
deutsche Staatsangehörigkeit und lebt mit ihrem Mann in Köln.