Peter Urban
Tschechow als Erzähler
Zum 150. Geburtstag
Tschechows
»Für mich bleibt Tschechov
unerreicht: Er schrieb Komödien der Verzweiflung über das Leiden und die
Sehnsüchte der Menschen. Und weil man davon gleichzeitig amüsiert ist und
zerrissen wird, wirkt seine Kunst so eindringlich.« Woody Allen
»Es wären seine Werke, die ich auf eine Reise zu einem anderen Planeten
mitnehmen würde.« Vladimir Nabokov
In einem Brief an seinen Bruder Alexander im Mai 1886 nennt Anton Tschechow
sechs Bedingungen für ein Kunstwerk: "1) Abwesenheit langgezogener Wortergüsse
politisch-sozialökonomischen Charakters; 2) absolute Objektivität; 3)
Wahrhaftigkeit in der Beschreibung der handelnden Personen und Gegenstände; 4)
äußerste Kürze; 5) Kühnheit und Originalität; meide das Klischee; 6)
Herzlichkeit." Treffender lassen sich die Tschechow-Übersetzungen Peter
Urbans, mit denen er Literaturgeschichte geschrieben hat, nicht
charakterisieren. Denn Urban ist der erste deutsche Übersetzer, der uns den
großen Russen so nahe bringt, wie er auf Russisch geschrieben hat: kurz, genau
und ohne den Schwulst früherer Übersetzungen.
Zum 150. Geburtstag Anton Tschechows, der am 29. Januar 1860 im südrussischen
Taganrog geboren wurde, erschließt uns Urban das erzählerische Werk des nach
Shakespeare meistgespielten Dramatikers. Als Motto hat er ein Zitat aus
Tschechows Erstling Platonow gewählt: "Warum leben wir nicht so, wie wir
leben könnten?" Für Urban, einen der besten Tschechowkenner, nicht
irgendein Zitat, sondern der Schlüssel zum Verständnis des tschechowschen Werkes.