Martin Walker

Peter Wewerzinek

Rabenliebe

»Gute Prosa entsteht aus Niederlagen und es gibt noch Gerechtigkeit: Peter Wawerzinek gewinnt in Klagenfurt den Bachmann-Wettbewerb«Richard Kämmerlings, FAZ
»Der 1954 in Rostock geborene Schriftsteller überzeugte mit den berührenden Erinnerungen an seine Kindheit in einem Waisenhaus in der ehemaligen DDR nicht nur die von Burkhard Spinnen geleitete siebenköpfige Fachjury, sondern auch die Zuhörer, die ihm zusätzlich per Internetabstimmung den Publikumspreis verliehen.« Die Zeit

Über fünfzig Jahre quälte sich Peter Wawerzinek mit der Frage, warum seine Mutter ihn als Waise in der DDR zurückgelassen hatte, als sie in den Westen floh. Der Junge, herumgereicht in verschiedenen Kinderheimen, blieb stumm bis weit ins vierte Jahr, mied Menschen, lauschte lieber den Vögeln, ahmte ihren Gesang nach, auf dem Rücken liegend, tschilpend und tschirpend. Die Köchin des Heims wollte ihn adoptieren, ihr Mann wollte das nicht. Eine Handwerkerfamilie nahm ihn auf, gab ihn aber wieder ans Heim zurück.
Wo war Heimat? Wo seine Wurzeln? Wo gehörte er hin?
Zeitlebens kämpfte Peter Wawerzinek mit seiner Mutterlosigkeit. Als er sie Jahre nach dem Mauerfall aufsuchte, war das über die Jahrzehnte überlebensgroß gewordene Mutterbild der Wirklichkeit nicht gewachsen. Es blieb bei der einzigen Begegnung.
Über Jahre hinweg arbeitete er wie besessen an "Rabenliebe", übersetzte das lebenslange Gefühl von Verlassenheit, Verlorenheit und Muttersehnsucht in ein großes Stück Literatur.

Peter Wawerzinek, geboren als Peter Runkel, wurde 1954 in Rostock geboren und lebt heute in Berlin. Er brach sein Kunststudium ab und übte bereits die verschiedensten Berufe aus, u.a. war er Totengräber und Tischler, in den 80ern Performance-Künstler und Stehgreifpoet.