Wolf Wondratschek
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man muss diesem Wondratschek viel vergeben, denn wir verdanken ihm eine Anzahl
schöner, ja wunderbarer Gedichte. Er wurde zum Sprecher der 68er Generation.
Nur: Die damals ihre Hoffnungen an die Studentenbewegung knüpften, stehen in
seinen Versen - und darauf kommt es an - für alle Geprellten, Gestrandeten und
Gescheiterten, für die Enttäuschten und Betrogenen. Nicht die Liebe besingt er,
sondern die Sehnsucht, den Hunger nach Liebe. Er ist ein Poet des stillen Leids
der kleinen Leute, der verpassten Chancen und der großen Vergeblichkeit.
Wondratschek wird von seinen Anhängern gern als Rock-Poet bezeichnet und als
Autor von Pop-Texten gepriesen. Aber er weiß in der deutschen Lyrik Bescheid,
er hat hier und da an Tucholsky und Walter Mehring angeknüpft, an Kästner und
an Brecht. Doch wie groß seine bewussten und unbewussten Anleihen auch sein mögen
- den ihm bisweilen nachgerühmten Wondratschek-"Sound" gibt es
tatsächlich. Man wird nicht Kultautor ohne Grund.« Marcel
Reich-Ranicki
Wolf Wondratschek, geboren 1943 in Rudolstadt, Deutschland studierte
Literaturwissenschaft, Philosophie und Soziologie. Während der
Studentenbewegung wurde er zunächst mit experimentellen Textcollagen bekannt,
bevor er in den 70er Jahren als »Rock-Poet« zu einem Klassiker der
zeitgenössischen Lyrik avancierte. Auch mit Texten aus anderen Genres machte er
auf sich aufmerksam. Für das Hörspiel »Paul oder die Zerstörung eines
Hör-Beispiels« (1971) erhielt er den Hörspielpreis der Kriegsblinden. 1987 ging
er mit »Menschen Orte Fäuste. Reportagen und Stories« seiner Faszination für
den Boxsport nach.